stART.09
Man lernt nur richtig schwimmen, wenn man tief im Wasser ist
Duisburg. Die stARTconference 2009 ist vorbei. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind sich mit dem Organisationsteam einig: Die erste Konferenz dieser Art in Deutschland war ein voller Erfolg.
Zu den vielen schönen Sätzen, die heute in der Duisburger Mercatorhalle zu hören waren, gehört auch der von Gerd Leonhard. "Man lernt nur richtig schwimmen, wenn man tief im Wasser ist", sagte der "MediaFuturist" aus Basel in einem der beiden Abschlusspanels und riet allen Kultuschaffenden, selbst im Web 2.0 aktiv zu werden. Denn nur so könne man die notwendige Erfahrung sammeln. Dass solche Ratschläge manchmal sogar auf fruchtbaren Boden fallen, zeigte die Bemerkung von Karl Janssen, Kulturdezernent der Stadt Duisburg: "Vor einem Jahr wäre ich doch nie auf die Idee gekommen, in einem Blog zu kommentieren." Inzwischen tut er es offensichtlich.
Begonnen hat der Tag schon um 9.00 Uhr mit der spannenden Keynote "Kultur 2.0 - Die Zukunft der Kulturwirtschaft in einer vernetzten Welt" von Gerd Leonard. Der Saal war angesichts des frühen Zeitpunkts zwar nicht ganz so voll wie am Vortag. Aber der Qualität der Präsentation (Download im Kasten unten) tat das keinen Abbruch. "Breitbandvernetzung", "mobiles Internet" und "Sharing" waren drei Schlüsselbegriffe in Leonards Zukunftsszenario. Wobei es ihm "nicht um Technik geht, sondern das sich ändernde Verhalten der Nutzer". Zum Beispiel beim Teilen von Inhalten ("Sharing"). "Da erleben wir heute vielleicht ein tausendstel von dem, was wir in fünf Jahren haben werden", ist der Zukunftsforscher überzeugt. Obwohl zum Beispiel YouTube im Videobereich bereits zu 95 Prozent von verschickten Links und auf andere Seiten eingebettete Filme abhängig sei. Die große Frage, die auch in Leonards Vortrag immer wieder aufblitzte: Wie können Kulturschaffende in dieser veränderten Welt mit ihrer Arbeit noch Geld verdienen? Denn das Internet sei nun mal eine "gigantische Kopiermaschine" und mit Restriktionen lasse sich das Rad auch nicht mehr zurückdrehen.
Auch am zweiten Tag der stARTconference fanden wieder zahlreiche Workshops parallel statt. Mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, Qualität und Besucherandrang. Während zum Beispiel der Raum mit der Übung "Werbekampagne unter 50 Euro? Webinstrumente wirkungsvoll kombinieren - eine Gebrauchsanweisung" hoffnungslos überfüllt war, gab es bei anderen Veranstaltungen noch eine Menge leerer Stühle.
Wie etwa bei der Vorstellung der Google-Maps-Applikation "Duisburg klingt". Die neue Plattform ermöglicht es, Geräusche aus der Ruhrgebietsstadt mit anderen Menschen zu teilen. Denn überall hört man Geräusche - die Straßenbahn, hupende Autos, Menschenmengen oder zwitschernde Vögel im Stadtpark - die wir gewohnheitshalber nicht mehr bewusst wahrnehmen. Eben diese Geräusche sollen auf "Duisburg klingt" hochgeladen, gesammelt und mit anderen Menschen geteilt werden. Ziel ist es, auf diesem Wege nicht nur den Bürgern "die Ohren für ihre Stadt zu öffnen", sondern diese Geräusche auch dem Wohlklang der Duisburger Philharmonikern gegenüber zu stellen und damit neue Besucher für die Konzerte des Orchesters zu gewinnen.
Solche Perlen gab es etliche auf der stART.09. Doch nicht immer waren sie leicht zu finden. Zu weit lagen die Konferenzräume auseinander, zu unstrukturiert und willkürlich schien das Programm. Manche Besucher vermissten hier etwas den roten Faden. Und natürlich waren die zwei Tage in Duisburg viel zu kurz, um alles zu erfassen. Doch dafür gibt es ja die Video-Aufzeichnung der Sessions, die man sich bald anschauen kann. Interessant auch für alle, denen die technischen Probleme bei der Live-Übertragung der Veranstaltung kein ungestörtes Sehrvergnügen ermöglichten.
Das Team von ruhr.business-on.de war heute auch sehr stark mit Video-Interviews beschäftigt, die wir mit kreativen Köpfen aus dem Ruhrgebiet und den Geschäftsführern von mittelständischen Unternehmen aus der Kreativwirtschaft der Region geführt haben. Sie können demnächst auf dieser Plattform angeschaut werden. Eine Teilnehmerin kam sogar nur deswegen in die Mercatorhalle und entschloss sich dann spontan zum Besuch eines Workshops, aus dem sie dann ganz begeistert zurück kam. Ein größeres Lob für die Veranstalter kann es wohl kaum geben. Auch das Feedback ist bisher überwiegend positiv. Die stART.10 im nächsten Jahr kann also kommen.
(Redaktion)
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