1. IuK-Tag NRW
"Future Think Tank" im Designmuseum
Zu großer bürokratischer Aufwand bei Förderprojekten
"Wasser in den Wein" der Ministerin, die das Land als Standort der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in höchsten Tönen lobte, goss auch Prof. Dr. Ingo Wolff vom mittelständischen Entwicklungshaus für Funksysteme und Mikroelektronik IMST GmbH in Kamp-Lintfort. Er verwies nicht nur auf die "Mittelfeldplätze 9 bis 11", die Deutschland und damit auch NRW - je nach Statistik - im internationalen Vergleich der Hard- und Softwarebranche einnimmt. Sondern er stellte auch sehr plastisch auf dem Podium den bürokratischen Aufwand dar, der in NRW bei der Abwicklung von Förderprojekten erforderlich ist und "vor allem kleine und mittelständische Unternehmen abschreckt."
Während bei Fördervorhaben der Bundesregierung und zum Teil auch der EU zur Abrechnung ein DIN-A-4-Formular ausreicht, sind in Nordrhein-Westfalen so viele Nachweise und Belege vorzuweisen, dass damit leicht ein kompletter Aktenordner gut gefüllt ist. "Wir mussten extra einen Mitarbeiter einstellen, um diese Anforderungen erfüllen zu können", kritisierte Prof. Wolff. Dr. Jens Baganz., Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, musste ihm zwar im Prinzip Recht geben, gab den Schwarzen Peter aber nach Brüssel weiter und verwies auf Grund schlechter Erfahrungen auf die Notwendigkeit einer scharfen Kontrolle bei der Ausgabe von Fördergeldern. Außerdem sei mit der Konzentration auf Branchencluster die Effizienz der staatlichen Förderung in Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Visionen für die nächsten 10 Jahre
Die weitere Entwicklung des "Cluster IKT.NRW", unter dessen Dach insbesondere die Zukunftsmärkte der Informations- und Kommunikationstechnologien gestärkt werden sollen, stand denn auch im Mittelpunkt der Veranstaltung im historischen Ambiente des Industriedenkmals Zeche Zollverein. Der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth versuchte sich in seiner Keynote "Technology Visions 2020" zunächst mit einer Prognose für die nächsten zehn Jahre. Wohl wissend, dass manche Vorhersagen nie eintreffen und dafür andere Entwicklungen - wie zum Beispiel der Siegeszug der SMS-Nachrichten auf dem Handy - plötzlich wie aus heiterem Himmel kommen. Neben der mobilen Breitbandkommunikation, die sich in den nächsten Jahren verstärkt durchsetzen wird, zählt für Kurth auch die unter dem Stichwort "Netzneutralität" diskutierte Offenheit von Netzen, Plattformen und Geräten zu den bestimmenden Zukunftstrends. Die Zeit der "walled gardens" und der Abschottung sei endgültig vorbei.
Im „Future ThinkTank“, der anschließenden Podiumsdiskussion, ergänzten dann noch Dr. Winfried Materna (Materna GmbH), Prof. Dr. Jakob Rehof (Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST), Hans-Hermann Junge (IBM Deutschland GmbH) und Prof. Dr. Christof Paar (Ruhr-Universität Bochum) die Sichtweisen der anderen Referenten. Breitbandkommunikation, Cloud Computing, Software as a Service, Smart Cities, Mobile Computing und IT-Sicherheit sind nach ihrer Meinung die wichtigsten Zukunftstrends im ITK-Umfeld.
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