RWE AG
Intelligente Ladesäulen füllen Autoakkus schneller mit Strom
Essen. Nach dem Start im Ruhrgebiet installiert der Essener Energieriese RWE in weiteren deutschen Städten intelligente Ladesäulen für Elektroautos. Die "Tankstelle der Zukunft" soll für den Konzern einmal ein neues Geschäftsfeld werden.
Der Energieversorger RWE hat seine jüngst in Essen gestartete Roadshow zur Präsentation seines Zukunftskonzepts für Tankstellen in Düsseldorf fortgesetzt. In der Ruhrmetropole stehen mittlerweile elf Ladesäulen für Halter von Elektrofahrzeugen bereit, in der NRW-Landeshauptstadt ist diese Woche in einem Parkhaus die erste Ladesäule in Betrieb genommen worden, weitere sollen folgen. In Berlin betreibt RWE in Zusammenarbeit mit dem Automobilhersteller Daimler bereits seit September 2008 ein Pilotprojekt. In der Bundeshauptstadt existieren bereits über 50 Ladepunkte, bis zum Jahr 2010 ist die Errichtung von über 500 Stromzapfsäulen geplant.
Aufgrund der immer noch langen Akkuladezeiten erweisen sich dafür vor allem bestehende Parkflächen als örtlich interessant. Laut RWE ließe sich der Ladevorgang mit den neu entwickelten Ladesäulen bei durchschnittlichen Autoakkus mit 20 Kilowattstunden Kapazität jedoch von sechs bis acht auf nur eine Stunde verkürzen. "Mit unserer Technologie sind solche Schnellladungen möglich, allerdings erweist sich der aktuelle Stand in der Batterientechnologie noch als begrenzender Faktor", betont RWE-Sprecher Harald Fletcher. Die neuen Ladesäulen des Stromanbieters versorgen bis zu zwei Elektrofahrzeuge gleichzeitig mit Wechselstrom bei einer Stromstärke von 32 Ampere.
Um die Nachhaltigkeit des Konzepts zu sichern, würde RWE auch ausschließlich Ökostrom über seine Zapfstationen vertreiben, meint Fletcher. Die zur intelligenten Kommunikation mit Fahrzeugen fähigen Ladesäulen ermöglichten aus Sicht des Konsumenten zudem einen vollautomatischen Ladeprozess. "Es ist zu berücksichtigen, dass sich die Schnellladung einer Traktionsbatterie mit entsprechend hoher Leistung negativ auf deren Lebensdauer auswirkt. Aufgrund des benötigten Energieinhalts der Traktionsbatterien von Elektrofahrzeugen und des derzeitigen Stands der Technik in der Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien für den Automotive Bereich ist der Großserieneinsatz in den nächsten fünf Jahren nur unter großen Anstrengungen denkbar", sagt Marjam Eghtessad, Wissenschafterin am Institut für Fahrzeugtechnik der TU Braunschweig. Es kann also nicht unbedingt davon ausgegangen werden, dass sich die durchschnittlichen Ladezeiten kurzfristig verringern werden.
Auch die parallel vorangetriebenen Batteriewechselkonzepte sind jedoch mit einer Fülle von Problemen verbunden. Vor allen Dingen würden die Kosten für die Errichtung der dafür nötigen Infrastruktur wohl jene für einfach installierbare und flexibel nutzbare Ladesäulen um ein Vielfaches übersteigen, heißt es bei RWE. Die internationale Normierung von Steckern und Ladeströmen ist nach Ansicht des Energieversorgers der zweite zentrale Faktor für die schnellstmögliche Durchsetzung von Elektrofahrzeugen. Für den alltäglichen Gebrauch müsse Interkompatibilität, also die uneingeschränkte Lademöglichkeit unabhängig von Fahrzeugtyp und Stromanbieter, bestehen.
RWE arbeitet deshalb mit Energieversorgern aus ganz Europa, in enger Kooperation mit der Kfz-Industrie sowie mit weiteren Partnern wie dem Autofahrerclub ADAC an diesem Ziel. "Wir rechnen damit, dass bis 2025 8,6 Mio. Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein werden", so Fletcher weiter. Aufgrund von technischen und wirtschaftlichen Faktoren ist vor 2015 aber nicht mit einem Massenmarkt für reine Elektrofahrzeuge zu rechnen. Deren Geschichte ist alt: Bereits vor 130 Jahren konstruierte Werner von Siemens ein Elektroauto. In den nächsten Jahren - so Experten - werden aber Hybridfahrzeuge den Ton angeben, ein Aussterben des Verbrennungsmotors ist auch in weiterer Folge nicht in Sicht.
(Redaktion)
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