10.09.2009  08:49 Uhr

stART.09
Der Countdown für die Web 2.0-Konferenz stART.09 läuft

Duisburg. Das Web 2.0 – das multimediale Mitmach-Web für alle – ist auch im Elfenbeinturm der hohen Künste angekommen. Am 24. und 25. September findet die stART.09 in der Mercatorhalle in Duisburg statt. Veranstalter ist die Agentur 4 Culture in Zusammenarbeit mit den Duisburger Philharmonikern. business-on sprach mit Karin Janner von 4 Culture, die das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit für die stART.09 managt.

business-on: Die Organisatoren möchten auf der Konferenz Leute zusammenbringen, die im weitesten Umfeld Kulturschaffende sind. Das  aber auf einer ganz anderen „Bühne“, nämlich über das Web2.0. Was versprechen Sie sich von dieser neuen Art der Kommunikation zwischen Kulturschaffenden und dem Publikum?

Karin Janner: Zentrales Thema des Web 2.0 ist die Partizipation. Kulturschaffende können das Web 2.0 dazu nutzen, um mit ihrem Publikum in den Dialog zu treten – auch außerhalb des Kulturereignisses selbst. Es geht dabei nicht darum, den Austausch, der „offline“ stattfindet (z.B. während einer Theater- oder Opernaufführung zwischen Schauspielern/Sängern und dem Publikum) zu ersetzen, sondern ihn durch eine neue Dimension – die Online-Komponente – zu ergänzen.

Das bedeutet, dass Besucher schon VOR dem Besuch des Theaters / Konzertes / Museums mit den Schauspielern, den Musikern, dem Intendanten, dem ausstellenden Künstler… auf unkomplizierte Weise in Kontakt treten können (bspw. über das Blog) und den Dialog auch NACH dem Besuch des Kulturereignisses weiterführen können.

 In der Praxis erreichen Kultureinrichtungen, die sich ihren Besuchern mittels Web 2.0 öffnen, darüber ganz neue Zielgruppen und können sie auf ihr Programm neugierig machen.

Junge Leute fühlen sich durch das Kulturangebot bspw. eines Symphonieorchesters oft nicht angesprochen, was zu einem guten Teil daran liegt, dass sie weder wissen, was sie auf einem Konzert erwartet noch irgendeinen persönlichen Bezug zur Musik oder den Musikern haben. In der Populärmusik ist das ganz anders, da läuft viel über Fangemeinden, Emotionen und persönliches „Involvement“ der Fans. Natürlich wird dazu das Web 2.0 genutzt (v.a. Plattformen wie MySpace und Facebook).

Seit die Duisburger Philharmoniker über ihr Blog dacapo mit ihrem Publikum kommunizieren – und zwar authentisch, persönlich und emotional – ist die Zahl der jungen Besucher in ihren Konzerten um ein Vielfaches gestiegen – ein großer Teil davon sind Erstbesucher. In Interviews geben sie sich begeistert. Viele geben an, dass das Blog sie überhaupt erst auf die Idee gebracht hat, dass ein Symphoniekonzert spannend und einen Besuch wert sein könnte und dass dies nun sicher nicht ihr letzter Besuch sein wird!

business-on: Immer wieder liest man von den relativ hohen Ticketkosten. Die Zeit für die  Super Early Bird Tickets ist jetzt wahrscheinlich schon abgelaufen. Insgesamt gibt es ein Kontingent von 500 Tickets. Wieviele Tickets sind aktuell verkauft?

Karin Janner: So zwischen 250 und 300. Da der Ticketverkauf nun kurz vor der Konferenz stark zugenommen hat – offenbar wollen sich die Leute trotz günstigerer Preise zu Beginn nicht allzu lange vor einer Veranstaltung festlegen – denke ich, wir werden auf 400 – 500 Besucher kommen.

business-on: Wie fit sind Künstler, Kreative, Kulturmanager und Agenturen denn derzeit in puncto Blogs, Microblogging, Podcats oder beim Twittern? Was können sie auf der stART.09 lernen?

Karin Janner: Es gibt ein paar Vorreiter aus dem Kulturbereich (z.B. die Duisburger Philharmoniker, das Städel Museum, das AugusTheater Neu Ulm und eine Handvoll Künstler, die Weblogs betreiben), aber der Großteil der Kulturschaffenden und Künstler hat die Möglichkeiten des Web 2.0 noch nicht entdeckt.

Im Gegensatz zu anderen Web 2.0-Konferenzen wie z.B. Web2.0-Expo, next oder re:publica, bei denen „Nerds“ über die neuesten Web-Trends diskutieren, werden wir auf der stART die Kulturleute erstmal an die Philosophie des Web 2.0 heranführen und ihnen zeigen, wofür sie es speziell im Kulturbereich nutzen können und was sie beachten müssen. Am 2. Tag wird es Workshops zu Themengebieten wie Marketing, PR oder Fundraising geben sowie Workshops, in denen sie die einzelnen Tools kennen- und anwenden lernen können.

 Da es jeweils 4 – 6 Parallelveranstaltungen geben wird, wird sowohl für den blutigen Anfänger als auch für den Web 2.0-Kundigen immer etwas dabei sein.

business-on: Wie sieht Ihre Vision von einem erfolgreichen Kulturunternehmen der Zukunft aus, das die Web 2.0-Tools konsequent einsetzt?

Karin Janner: Zuerst einmal muss vom Kulturunternehmen her die Bereitschaft da sein, mit dem Publikum in Dialog zu treten, es einzubeziehen, sich seine Meinung anzuhören und es ernst zu nehmen. Partizipation beginnt nicht mit der Einführung von Web 2.0-Tools, sondern lange davor im Kopf.

Weitere Web 2.0-Schlagworte sind Transparenz und Authentizität. Immer mehr Leute wollen Einblick in das Innere eines Unternehmens, eines Betriebes, einer Kultureinrichtung. Wollen die Menschen dahinter kennen lernen und mitbekommen, wie man dort so denkt.
Sei es, um die Kunst zu verstehen, sei es, um zu sehen, was mit den (Steuer-)geldern passiert, die dort hinein fließen…

 Für mich kann das erfolgreiche Kulturunternehmen der Zukunft mit der Philosophie des Teilens und Teilhabens was anfangen, macht kein großes Geheimnis um sich und gibt sich authentisch – indem es nicht nur die PR-Abteilung, sondern auch Künstler, Kulturschaffende, Mitarbeiter aller Art nach außen zu Wort kommen lässt. Dies setzt Respekt und Vertrauen voraus – sowohl den Besuchern als auch den eigenen Mitarbeitern gegenüber.

 Sich mit den Tools auseinander zu setzen und sich informieren, wie man sie einsetzt und kombiniert – das ist dann erst der nächste Schritt. Die Technik ist dabei dann die kleinste Hürde.

business-on: Wie verhindert man, dass die Generationen der Nicht-Digital-Natives dabei außen vorbleiben?

Karin Janner: Es geht nicht darum, dass die klassische Kommunikation durch das Web 2.0 völlig ersetzt wird – das Web 2.0 ist die Ergänzung. Besucher, mit denen bisher auf dem klassischen Weg kommuniziert wurde, wird man weiter auf diese Art erreichen. Es empfiehlt sich nicht, das Telefon abzuschalten und zu erwarten, dass sich alle Besucher nur mehr per Blogkommentar melden werden…

Aber: Immer  mehr Leute zieht es ins Netz – wenn ich mir ansehe, mit welcher Selbstverständlichkeit meine Kinder (11 und 8 Jahre alt) sich durch Blogs, Communities und Online-Games bewegen zeigt mir das eindeutig, welche Bedeutung die Präsenz für einen Kulturbetrieb im Web 2.0 in ein paar Jahren haben wird. Die „Silver-Surfer“ (Generation 50+, die durchs Internet surft) sind übrigens auch stark auf dem Vormarsch…

business-on: Sie haben bei dem Programm auf eine gute Mischung der Themen und eine hohe Qualität bei den Sprechern geachtet. Es kommen international bekannte Keynote-Speaker wie Gerd Leonhard. Verraten Sie uns noch zum Schluss, welches Ihr ganz persönliches Highlight auf der stART.09 ist?

Karin Janner:  Das kann ich ganz ehrlich nicht sagen. Seit Februar haben wir Themen und Sprecher ausgewählt und dabei die besten angefragt, die wir zu den jeweiligen Themen kannten oder ermitteln konnten. Wir haben Glück – fast alle unsere Wunschreferenten haben zugesagt. Ich bin auf jeden einzelnen neugierig, manche habe ich schon auf anderen Veranstaltungen gehört, andere kenne ich nur über Publikationen oder aus dem Internet.

Besonders neugierig bin ich natürlich auf Sprecher sowie auf Teilnehmer, zu denen ich über Emails, Blogs, Diskussionen in Social Networks etc. bereits eine fachliche und / oder persönliche Beziehung aufgebaut habe, denen ich aber „offline“ noch nie begegnet bin. Das ist immer spannend, sich in der realen Welt zu treffen, nachdem man schon über unzählige Themen per Internet diskutiert hat…


 

(Redaktion)

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1 Kommentar »

11.09.09 01:43 Uhr
Luise Haeberle
Auf Treffen gespannt
Das ist ja wieder schön zu lesen. Liebe Karin, auf ein reales Treffen bin ich auch gespannt. Bis Duisburg. Die GUTE Luise
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